A feature from the health pages of a Viennese weekly on loneliness: who is affected, what it does to body and mind, and what helps. Watch the Futur II — the tense for guesses about what has probably already happened.
Es ist Sonntagabend, die Wohnung ist still, das Handy zeigt keine neuen Nachrichten. Viele Leserinnen und Leser werden diese Situation schon selbst erlebt haben – und die meisten werden sie als vorübergehend empfunden haben. Problematisch wird Einsamkeit erst, wenn sie zum Dauerzustand wird. Und genau das ist, glaubt man aktuellen Studien, für einen erheblichen Teil der Bevölkerung der Fall. Die Weltgesundheitsorganisation hat Einsamkeit inzwischen als ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit eingestuft.
How has the WHO classified loneliness?
As a serious threat to public health As a private matter As a problem of old age only
Dabei ist Einsamkeit nicht mit dem Alleinsein zu verwechseln. Wer gern allein lebt und seine Ruhe genießt, ist nicht automatisch einsam. Umgekehrt kann sich ein Mensch inmitten einer großen Familie oder eines lebhaften Freundeskreises zutiefst einsam fühlen. „Einsamkeit beschreibt die schmerzhafte Lücke zwischen den Beziehungen, die wir haben, und denen, die wir uns wünschen“, erklärt die Wiener Psychologin Dr. Claudia Reiter. „Entscheidend ist also nicht die Zahl der Kontakte, sondern ihre Qualität.“
How is loneliness different from being alone?
It's the gap between the relationships we have and those we want There is no difference Being alone is always worse
Die gesundheitlichen Folgen sind beträchtlich. Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Demenz. Eine vielzitierte Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass ein Mangel an sozialen Beziehungen die Lebenserwartung ähnlich stark verkürzt wie das Rauchen von fünfzehn Zigaretten am Tag. Der Körper reagiert auf soziale Isolation offenbar mit einer Art Daueralarm: Stresshormone werden vermehrt ausgeschüttet, der Schlaf wird unruhiger, das Immunsystem geschwächt. Auch die Wahrnehmung verändert sich: Einsame Menschen erleben ihre Umgebung als bedrohlicher und deuten neutrale Gesichter häufiger als abweisend – was den Rückzug weiter verstärkt.
What comparison did a review study make?
A lack of relationships shortens life about as much as 15 cigarettes a day Loneliness is worse than any illness Lonely people live longer
Lange galt Einsamkeit vor allem als Problem älterer Menschen, die ihren Partner verloren haben oder kaum noch das Haus verlassen können. Neuere Umfragen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Besonders häufig berichten junge Erwachsene zwischen achtzehn und neunundzwanzig von Einsamkeitsgefühlen. Die Gründe sind vielfältig – Umzüge für Studium oder Beruf, der Übergang ins Erwachsenenleben, aber auch eine Kommunikation, die sich zunehmend ins Digitale verlagert hat. Die Jahre der Pandemie werden diese Entwicklung zusätzlich verstärkt haben, vermuten Fachleute.
Who reports loneliness particularly often, according to newer surveys?
Young adults between 18 and 29 People over 80 Children
Einige Staaten haben das Thema inzwischen auf die politische Tagesordnung gesetzt. Großbritannien ernannte bereits 2018 eine Ministerin für Einsamkeit, Japan folgte einige Jahre später. In den Niederlanden hat eine Supermarktkette sogenannte Plauderkassen eingeführt, an denen es ausdrücklich erwünscht ist, sich beim Bezahlen Zeit für ein Gespräch zu nehmen. Auch in Österreich gibt es zahlreiche Initiativen: Nachbarschaftsprojekte, Telefonketten für ältere Menschen, sogenannte Plauderbankerl in Parks. Kritiker bemängeln allerdings, dass solche Angebote vielerorts von Ehrenamtlichen getragen werden und dauerhaft kaum finanziert sind.
What do critics complain about?
Many initiatives depend on volunteers and lack lasting funding There are too many initiatives Nobody uses them
Was können Betroffene selbst tun? Reiter rät, in kleinen Schritten vorzugehen. „Wer sich lange zurückgezogen hat, wird verlernt haben, auf andere zuzugehen. Das ist ganz normal und lässt sich wieder üben.“ Hilfreich seien regelmäßige Aktivitäten, bei denen man immer wieder dieselben Menschen trifft, etwa ein Chor, ein Sportverein oder ein Ehrenamt. Auch kurze Begegnungen im Alltag – ein Gespräch mit der Nachbarin, ein paar Worte mit dem Verkäufer – haben eine größere Wirkung, als man vermuten würde.
What does Dr Reiter recommend?
Regular activities where you keep meeting the same people Moving to another city Staying at home
Und wer bemerkt, dass sich ein Freund oder eine Kollegin auffällig zurückzieht, sollte nicht zögern, das Gespräch zu suchen. „Viele Betroffene schämen sich für ihre Einsamkeit“, sagt Reiter. „Sie werden sich schon oft gefragt haben, ob mit ihnen etwas nicht stimmt.“ Ein einfacher Anruf, eine Einladung zum Spaziergang kann der Anfang sein. Denn so verbreitet Einsamkeit auch ist – ein unabwendbares Schicksal ist sie nicht.