A feature in a Viennese city magazine on the social housing built between 1919 and 1934. Watch the participle clauses that open sentences: Zwischen 1927 und 1930 errichtet, … · Von Kritikern angeprangert, …
Wer mit der U-Bahn nach Heiligenstadt fährt und am Bahnhof aussteigt, steht vor einem Gebäude, das eher einer Festung als einem Wohnhaus gleicht. Über einen Kilometer lang, durchbrochen von mächtigen Torbögen und mit Fahnenmasten gekrönt, erstreckt sich der Karl-Marx-Hof entlang der Heiligenstädter Straße. Zwischen 1927 und 1930 errichtet, ist er das bekannteste Symbol einer Epoche, die als „Rotes Wien“ in die Geschichte eingegangen ist.
What is the Karl-Marx-Hof?
A huge council housing complex, the best-known symbol of Red Vienna A medieval fortress A railway station
Um die Bedeutung dieser Bauten zu verstehen, muss man sich die Lage nach dem Ersten Weltkrieg vor Augen führen. Die einstige Hauptstadt eines Großreichs war zur überdimensionierten Metropole eines kleinen Staates geworden. Kriegsheimkehrer, Invalide und verarmte Beamtenfamilien drängten sich in den Mietskasernen der Arbeiterbezirke. Hunderttausende Menschen lebten in feuchten, überbelegten Wohnungen ohne Wasseranschluss und mit der Toilette am Gang. Die Tuberkulose war so verbreitet, dass man sie im Ausland die „Wiener Krankheit“ nannte. Viele Arbeiterfamilien konnten sich nicht einmal ein eigenes Bett leisten und vermieteten Schlafplätze stundenweise an sogenannte Bettgeher.
What was called the „Wiener Krankheit“ abroad?
Tuberculosis Hunger Influenza
Bei den Gemeinderatswahlen 1919 errangen die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit und begannen ein in Europa einzigartiges Reformprogramm. Finanziert durch eine eigens eingeführte Wohnbausteuer, die große und teure Wohnungen besonders stark belastete, sowie durch Abgaben auf Luxusgüter, errichtete die Stadt bis 1934 über 60.000 Wohnungen. Die Mieten waren so niedrig angesetzt, dass sie nur einen kleinen Teil eines Arbeiterlohns ausmachten. Die Planung übernahmen zahlreiche Architekten, darunter viele Schüler des berühmten Otto Wagner, die den Bauten trotz einheitlicher Vorgaben jeweils einen eigenen Charakter gaben.
How was the building programme financed?
By a special housing tax that weighed most on large, expensive flats, and by taxes on luxury goods With loans from America By selling land
Doch es ging um mehr als um ein Dach über dem Kopf. Die Gemeindebauten sollten das Leben ihrer Bewohner grundlegend verändern. Jede Wohnung erhielt fließendes Wasser und ein eigenes WC, viele Anlagen boten Waschküchen, Bäder, Kindergärten, Bibliotheken und Arztpraxen. Großzügige, begrünte Innenhöfe ersetzten die dunklen Lichtschächte der Gründerzeit. Beim Karl-Marx-Hof wurde nicht einmal ein Fünftel des Grundstücks bebaut; der Rest blieb Gärten und Spielplätzen vorbehalten. Über den Eingängen erinnern bis heute Inschriften an die Bauherrin: „Erbaut von der Gemeinde Wien“.
What did the council flats offer?
Running water, a toilet of one's own and facilities like laundries and kindergartens Only low rents A private garden for every flat
Von bürgerlichen Kritikern als Verschwendung von Steuergeld angeprangert, galten die „Volkswohnungspaläste“, wie man sie damals nannte, ihren Befürwortern als Beweis dafür, dass sozialer Fortschritt möglich sei. Delegationen aus ganz Europa reisten nach Wien, um das Modell zu studieren. Dass die monumentale Architektur mancher Anlagen auch Assoziationen an Festungen weckte, war den Gegnern ein willkommener Anlass für Polemik.
Tatsächlich wurden einige der Höfe zum Schauplatz bewaffneter Kämpfe. Im Februar 1934, als sich die Spannungen zwischen der christlichsozialen Regierung und der Sozialdemokratie in einem kurzen Bürgerkrieg entluden, verschanzten sich Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes in mehreren Gemeindebauten. Vom Bundesheer mit Artillerie beschossen, ergaben sich die Verteidiger des Karl-Marx-Hofes nach mehreren Tagen. Mit der Niederlage endete das Rote Wien; die Sozialdemokratische Partei wurde verboten.
What happened in February 1934?
In a short civil war, the army shelled the Karl-Marx-Hof The Karl-Marx-Hof was opened The Social Democrats won an election
Das Erbe dieser Jahre prägt Wien bis heute. Die Stadt besitzt rund 220.000 Gemeindewohnungen, und etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt in einem Gemeindebau. Nach einer längeren Pause baut die Stadt seit einigen Jahren sogar wieder neue Gemeindebauten. Fachleute aus aller Welt sehen darin einen wesentlichen Grund dafür, dass Wien im internationalen Vergleich als ausgesprochen lebenswert gilt und die Mieten trotz steigender Nachfrage moderater geblieben sind als in vielen anderen Metropolen. Ein Stück Stadtgeschichte, an jeder Straßenecke sichtbar – und für Hunderttausende Menschen ganz einfach ihr Zuhause.
How many Viennese live in council housing today?
About a quarter of the population Hardly anyone Half the population