A portrait in a Cologne newspaper series: Maria Costa came from Calabria as a young woman in 1964. Watch the words that put a life in order: als, nachdem, bevor, während, seitdem, bis.
Als Maria Costa im März 1964 am Kölner Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, war sie neunzehn Jahre alt, sprach kein Wort Deutsch und hatte einen Koffer, eine Adresse und ein Foto ihrer Mutter dabei. Zwei Tage und zwei Nächte war sie aus einem kleinen Dorf in Kalabrien unterwegs gewesen. „Es war kalt und grau, und ich habe die ganze erste Woche geweint“, erzählt sie und lacht. Heute ist sie 81 und lebt seit über sechzig Jahren in Köln.
How old was Maria when she arrived in Cologne?
Nineteen Twenty-four Sixteen
Bevor sie nach Deutschland kam, hatte Maria auf den Feldern ihrer Eltern gearbeitet. Arbeit gab es im Süden Italiens kaum, und so folgte sie ihrem älteren Bruder, der schon zwei Jahre zuvor als sogenannter Gastarbeiter nach Köln gegangen war. Nachdem sie eine ärztliche Untersuchung bestanden hatte, bekam sie eine Stelle in einer Schokoladenfabrik in der Südstadt. Sie wohnte mit sieben anderen Frauen in einem Wohnheim direkt neben der Fabrik.
Why did she come to Cologne?
There was hardly any work in southern Italy and her brother was already there She wanted to study She had married a German
Während sie tagsüber Pralinen verpackte, lernte sie abends Deutsch – zuerst mit einem alten Wörterbuch, später in einem Kurs der Kirchengemeinde. „Die Kolleginnen haben mir viel beigebracht, auch Wörter, die man in der Kirche nicht sagt“, erinnert sie sich. In diesem Kurs lernte sie auch Giuseppe kennen, einen Schweißer aus Sizilien. Sie heirateten im Sommer 1967. Kurz nachdem ihr erster Sohn geboren war, zogen sie in eine kleine Wohnung in Ehrenfeld.
Where did Maria meet her husband?
In the parish's German course At the chocolate factory On the train
Eigentlich wollten die beiden nur ein paar Jahre bleiben, bis sie genug Geld für ein Haus in Italien gespart hatten. So dachten damals fast alle. Doch je länger sie blieben, desto mehr wurde Köln zu ihrem Zuhause. Die Kinder gingen hier zur Schule, sprachen besser Deutsch als Italienisch und wollten nicht mehr weg. Seitdem die Enkel da sind, ist die Frage endgültig beantwortet: „Meine Familie ist hier, also gehöre ich hierher.“
Why did the family stay in Cologne?
The children grew up here and didn't want to leave They couldn't afford the journey They lost their house in Italy
Leicht war es nicht immer. In den Sechzigerjahren hingen an manchen Häusern Schilder, auf denen stand, Ausländer seien als Mieter nicht erwünscht. Als die Fabrik in den Siebzigerjahren schloss, verlor Maria ihre Arbeit. Sie machte eine Ausbildung zur Schneiderin und eröffnete nach einigen Jahren eine eigene kleine Änderungsschneiderei. Sobald die Kundschaft merkte, wie gut sie arbeitete, kamen die Leute aus der ganzen Stadt. Den Laden führte sie über dreißig Jahre lang.
What did Maria do after the factory closed?
She trained as a dressmaker and opened her own shop She went back to Italy She retired
Nachdem ihr Mann vor sechs Jahren gestorben war, wurde es still in ihrem Leben. Doch Maria Costa ist keine Frau, die lange stillsitzt. Seit drei Jahren erzählt sie in Schulen von ihrem Leben, damit die Jugendlichen verstehen, wie die Stadt zu dem geworden ist, was sie heute ist. „Viele Kinder in den Klassen haben selbst Großeltern, die irgendwann gekommen sind“, sagt sie. „Wenn ich erzähle, nicken sie. Sie kennen diese Geschichten.“
Why does she visit schools?
So young people understand how the city became what it is To teach Italian To find new customers
Jeden Sommer fährt sie für zwei Monate nach Kalabrien, in das Dorf, aus dem sie einst aufgebrochen ist. Dort ist sie „die Deutsche“, in Köln „die Italienerin“. Stört sie das? Sie schüttelt den Kopf. „Ich habe zwei Heimaten“, sagt sie. „Das ist kein Problem. Das ist ein Geschenk.“