A newspaper debate page: should every young person spend a year working for society — in a care home, in disaster relief, in nature conservation? Two authors argue. Watch the connectors and the word order they bring.
Junge Menschen in Deutschland können nach der Schule freiwillig ein soziales oder ökologisches Jahr machen. Doch immer wieder wird gefordert, einen verpflichtenden Dienst für alle einzuführen – ob in der Pflege, beim Katastrophenschutz oder im Naturschutz. Befürworter sprechen von einem Gewinn für die Gesellschaft, Kritiker von einem Eingriff in die Freiheit. Wir haben zwei Stimmen gesammelt.
Pro – Martin Kessler, Lehrer: Unsere Gesellschaft driftet auseinander. Junge Menschen aus der Stadt kennen kaum noch Gleichaltrige vom Land, Akademikerkinder treffen selten auf Auszubildende. Ein Pflichtjahr würde das ändern, denn es bringt Menschen zusammen, die sich sonst nie begegnen würden. Zum einen lernen die Jugendlichen Verantwortung, zum anderen erfahren sie, wie wichtig Berufe sind, die oft wenig Anerkennung bekommen.
What is Mr Kessler's main argument?
A compulsory year brings together people who would never meet Young people need the money School is too easy
Außerdem fehlen in Pflegeheimen, Kitas und Krankenhäusern überall Hände. Zwar kann ein Pflichtjahr keine Fachkräfte ersetzen, aber es kann die Fachkräfte entlasten. Viele junge Menschen entdecken bei solchen Einsätzen sogar ihren späteren Beruf. Deshalb ist ein Pflichtjahr keine verlorene Zeit, sondern eine Investition – in die Jugendlichen genauso wie in unser Zusammenleben. Und nicht zuletzt: Wer ein Jahr lang Verantwortung für andere übernommen hat, geht danach deutlich selbstbewusster ins Studium oder in die Ausbildung.
What can a compulsory year not do, according to Mr Kessler?
Replace skilled workers Help care homes Help young people find a career
Contra – Lena Wolf, Studentin und Jugendvertreterin: Natürlich ist Engagement wichtig. Dennoch halte ich ein Pflichtjahr für den falschen Weg. Gerade die jungen Menschen haben in den letzten Jahren auf vieles verzichtet. Sie jetzt zu einem Dienst zu zwingen, während man von älteren Generationen nichts verlangt, wäre ungerecht. Wer Solidarität will, sollte sie nicht nur von einer Altersgruppe fordern.
Why would a compulsory year be unfair, according to Ms Wolf?
Nothing is demanded of older generations Young people are too busy It would be too short
Hinzu kommt ein praktisches Problem: Ein Pflichtdienst für alle würde jedes Jahr Hunderttausende Plätze erfordern. Diese müssten organisiert, betreut und bezahlt werden. Folglich würde viel Geld in die Verwaltung fließen, das in der Pflege besser aufgehoben wäre. Und wer nicht freiwillig im Altenheim arbeitet, wird dort auch selten mit Freude helfen – weder die Bewohner noch die Beschäftigten hätten etwas davon.
What practical problem does she see?
Hundreds of thousands of places would have to be organised and paid for There aren't enough young people Care homes don't want help
Statt Zwang brauchen wir bessere Angebote. Die freiwilligen Dienste sollten so attraktiv werden, dass mehr junge Menschen sie wählen: mit einem fairen Taschengeld, kostenlosen Bahntickets und Vorteilen bei der Studienplatzvergabe. Außerdem sollte ein freiwilliges Jahr im Lebenslauf so bescheinigt werden, dass Arbeitgeber es wirklich anerkennen. Einerseits würde das den sozialen Einrichtungen helfen, andererseits bliebe die Entscheidung bei den Jugendlichen selbst. Genau so sollte es in einer freien Gesellschaft sein.
What does she suggest instead?
Making voluntary service more attractive A shorter compulsory service No service at all
Und was meinen Sie? Bei einer Umfrage unter unseren Leserinnen und Lesern sprach sich eine knappe Mehrheit für ein Pflichtjahr aus, sofern es auch im Ausland abgeleistet werden kann. Unter den Befragten unter dreißig Jahren war die Mehrheit allerdings dagegen. Schreiben Sie uns – wir veröffentlichen die interessantesten Briefe in der nächsten Ausgabe.
What did readers under thirty think?
Most were against Most were in favour They didn't take part